Obwohl, historisch gesehen, der Expansionismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu Ende kam, scheint Outsourcing das globale Phänomen dieses Jahrhunderts zu sein und trägt die Erbe seines Urvaters weiter; diesmal aber eher in einem wirtschaftlichen Sinne als in einem territorialen, da internationale Unternehmen nun ihre Aufgaben als moderne Konquistadoren eines globalen Marktes verfolgen, wobei jeder die Herrschaft in seiner eigenen Geschäftsbranche weltweit anstrebt.

Also Nearshore, Offshore, No-Shore, weniger wichtig…die Zahlen und Fakten sind erschütternd: mehr und mehr Unternehmen lagern ihre Dienste aus; was nicht unbedingt ein Kinderspiel ist. Man könnte nicht behaupten, dass man gewöhnlicherweise große Probleme bei der Auslagerung von Geschäftsprozessen begegnet, aber man kommt im Prozess sicherlich gewissen Schwierigkeiten entgegen. Egal wie erfolgreich es klingen sollte Kosten zu senken, mehr spezialisierte Arbeitskräfte zu finden und damit mehrere Projekte zu starten; im Klartext besser, schneller und intelligenter zu arbeiten; bedeutet dies nicht unbedingt, dass Outsourcing keine Herausforderungen aufweist. Hier nennen wir 7 Schwierigkeiten, die Unternehmen beim Outsourcing von Projekten begegnen:

  1. Auf Wiedersehen „hands-on“ Überwachung

Im Grunde genommen führt Outsourcing immer zu einem Verlust an Managementkontrolle und bleibt deshalb der Alptraum jedes Kontrollfreak-Managementteams. Noch immer finden wöchentliche oder sogar tägliche Meetings statt, die den Kunden über den Fortschritt des Projektes auf dem Laufenden halten und sicherstellen, dass die Richtlinien, auf die man sich geeinigt hat, auch eingehalten werden, so dass selbst jemand der die Not empfindet sich stets persönlich einzusetzen und das Thema heranzugehen zufrieden sein kann. Das ist natürlich nur, wenn die Tools richtig funktionieren, was mich zum folgenden Thema bringt…

 

  1. Kommunikation

Seit dem Morse-Code haben wir uns stark entwickelt; trotzdem aber gibt es Themen an denen man noch arbeiten muss, denn wir wissen wie eine schwache Internetverbindung das perfekte Skype-Meeting ruinieren kann. Hier sind auch Kosten zu verstehen: Reisekosten für onsite und live Meetings können beim Offshore-Outsourcing leicht Tausende Euros übersteigen. Darüber hinaus könnten sogar kleinere Unternehmen darunter leiden, da die Qualität stark beeinflusst werden könnte, falls keine weiteren Investitionen im Kommunikationsbereich getätigt werden. Die gute Nachricht ist aber, dass eine vernünftige Internetverbindung heutzutage auch mit einem minimalen Budget geschaffen werden kann, insofern stellt dieses Thema kein reales Hindernis dar. Hier ist aber ein weiteres sehr heikles Problem:

 

  1. Der Kampf der Kulturen

Nationale/regionale Kultur und Unternehmenskultur haben in dieser kommerziellen Beziehung etwas zu sagen, da beide eigenständige Entitäten sich in der Art und Weise, in der sie die Dinge betrachten, unterscheiden können. Bei einer guten Zusammenarbeit geht es oft nicht nur darum, die Bedingungen eines Vertrages einzuhalten, sondern auch einen zusätzlichen Aufwand für den anderen Partner zu betreiben. Eine gesunde Beziehung bedeutet also mehr als nur die strikte Verfolgung eines bestimmten Verfahrens; die bedeutet in der Regel sich mit den Geschäftszielen, der Perspektive und Denkweise des Partners vertraut zu machen (bezieht sich nicht nur auf Unternehmen), was viel einfacher ist wenn die Kulturen sich nicht zu stark voneinander unterscheiden. Vorteil ist, dass die letzten Jahrhunderte uns dazu gebracht haben engere und konsolidierte Beziehungen zueinander aufzubauen, da Phänomene wie Globalisierung, Kapitalismus und Demokratie zu einer homogenen Mischung von Kulturen geführt haben. Aber es gibt auch eine andere Art von Mischung, die wir hier betrachten müssen:

 

  1. Eine Mischung aus Risiko und Vertrauen

Outsourcing bedeutet mit dem Feuer spielen. Ja, das ist eine vertrauenswürdige Firma und ja das ist ein gut zahlender Kunde, aber obwohl alle rechtlichen Rahmen festgelegt wurden, reicht ein einziger „Was-wäre-wenn?“ völlig aus, um in den ersten Jahren Unsicherheit zu schaffen, sollte es die erste Zusammenarbeit mit einem ausländischen Drittanbieter sein. Dieses Problem ist jedoch kein Hindernis, weil Kundenfeedback im Grunde genommen durchaus ehrlich ist. Was allerdings zu einer Fallgrube führen kann sind die…

 

  1. Versteckte Kosten und Margen

Wie man oft sagt, was du nicht weiß wird dich sicherlich eines Tages in den Hinten beißen; mit diesem Gedanken im Kopf erfassen Outsourcer ihre Verträge mit besonders großer Gründlichkeit. Trotzdem können langfristig einige Überraschungen immer noch auftreten. Alles von der Personalbesetzung, bis hin zu Währungsschwankungen und Hardware- beziehungsweise Software-Updates bedeuten zusätzliche Kosten, die in solch einer Zusammenarbeit auftreten können. Das liegt einfach daran, dass man nicht alle möglichen Veränderungen einer Partnerschaft voraussehen kann, unabhängig davon, wie gut die Begriffe durchgedacht und respektiert werden. Aber lassen wir dies bei Seite, Outsourcer haben wichtigere Sachen zu fürchten:

 

  1. Datenschutz und Sicherheit des Inhalts

Bei der Weitergabe von Informationen an Dritten muss letztendlich nur ein einziger Aspekt im Auge behalten werden: Datensicherheit. Weil Informationen (und dadurch auch Datenschutz) das Blut jeder Organisation darstellen und sichert durch dessen Verlauf die Marktlebendigkeit und

Wettbewerbsicherheit des Unternehmens. Alle heutigen Mitarbeiterverträge für Angestellte, die mit sensiblen Daten umgehen müssen, enthalten in der Regel eine Wettbewerbsklausel, die jedoch Informationsverluste nicht ganz vermeiden können. Investitionen müssen hier getätigt werden um sicherzustellen, dass es zu keinen solchen Situationen kommt und Vertrauen ist daher ein Muss um diese Grenzen überwinden zu können. Entweder das, oder zehnmal dieses Budget vor dem Gericht ausgeben und auch in diesem Szenario kann das Gericht oder Geld Sie vor dieser letzten Bedrohung schützen:

 

  1. Nichterfüllung der Erwartungen

So gut wie Outsourcing in einigen Fällen auch klingen mag, ist die Situation nicht immer perfekt.
Da das Engagement von beiden Seiten kommt, fühlt es sich ab und zu so an als ob eine der Seiten betrogen sei. Viele Lieferausfälle aufgrund von mangelnder Flexibilität oder Teamunfähigkeit wurden , aber es ist hier immer noch nur eine Frage der Wahl des richtigen Partners. Sicherzustellen, dass der Ingenieur die passende Ressource innerhalb eines Projektes ist, stellt Teil des Rekrutierungsprozesses dar, nicht wahr? So kann die Schuld auf beiden Seiten aufgeteilt werden. Natürlich sind alle Firmen, die schwache Managementfähigkeiten und keine passende Prozesse haben oder falsche/nutzlose Leistungsmetriken verwenden, Gründe warum Outsourcing noch verpönt wird.

 

Viele dieser Schwierigkeiten können jedenfalls durch eine starke, lang anhaltende Beziehung mit einem vertrauenswürdigen Partner überwunden werden. Stellen Sie sicher, dass dessen Hauptsitz nicht zu weit entfernt ist von Ihrem. Sollten Sie sich doch dafür entscheiden Offshore auszulagern, versuchen Sie Ihre Kultur und Sichtweise vorab kennen zu lernen. Pflegen Sie eine gesunde langfristige Beziehung, achten Sie auf versteckte Kosten und denken Sie im Voraus, um zukünftige Schwierigkeiten zu vermeiden. Erfassen Sie einen starken und gültigen Vertrag mit soliden, jedoch gerechten Klauseln. Seien Sie flexibel, entschlossen und schlau. Wählen Sie einen guten Partner aus und seien Sie dafür auch ein guter Partner.